Grundschule Illertissen-Au

Dr. Karl August Forster

Der Namensgeber unserer Schule lebte von 1899 bis 1984. Er war Arzt, Chemiker, Doktor, Wissenschaftler, Unternehmer, Bienenforscher, Imker, Landwirt, Nelkenzüchter, Sammler, Ehemann, Vater von 4 Kindern, Ehrenbürger von Au, Ehrensenator der Universität Ulm und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Er wurde als aktiv, vital, weltoffen, unermüdlich, menschlich, aufgeschlossen, naturliebend, großherzig und liebenswürdig beschrieben.

Wir haben im Folgenden Fakten und Quellen zusammengetragen, die für sich sprechen sollen und – hoffentlich – eine erste Annäherung an eine große Auer Persönlichkeit ermöglichen.

Zusammenfassung eines langen Lebens

Dr. Karl August Forster

Dr. Karl August Forster

  • Am 22. April 1899 wurde Karl August Forster in Memmingen geboren.
  • Nach Kindheit und Realschule in Memmingen und der Oberrealschule in Augsburg zog er 1917 in den Ersten Weltkrieg. Er kehrte zurück und studierte dann Medizin und Chemie in Würzburg, Freiburg und München. Anschließend arbeitete er 8 Jahre am pharmakologischen Institut in Würzburg und beschäftigte sich dort intensiv mit tierischen Giften, unter anderem mit Bienengiften. Sein Weg in der Pharmakologie und an der Universität war eigentlich vorgezeichnet.
  • Aber 1929 starb sein Bruder, der den väterlichen Betrieb hätte leiten sollen. Sein Vater bat ihn daraufhin, diese Aufgabe zu übernehmen. Das war keine leichte Entscheidung für Karl August Forster, aber er ging schließlich zurück in die Heimat. Der Betrieb, um den es ging, war die Firma Heinrich Mack Nachfolger in Au, die sein Vater von Heinrich Mack gekauft hatte.
  • Der Betrieb Heinrich Mack Nachfolger war zu dieser Zeit mit »Kaiser Borax«, einem Mittel zum Weichmachen von Bade- und Waschwasser, weltbekannt geworden. Karl August Forster behielt dieses Produkt im Programm und entwickelte in den vielen folgenden Jahren etliche neue Produkte, vor allem neue Arzneimittel. Eines der bekanntesten war das »Forapin« (der Name leitet sich aus Forster und Apis [lateinisch für Biene] ab), ein Mittel gegen Rheuma.
  • Für die Produktion von Forapin benötigte Dr. Forster das Gift der Bienen, denn eine synthetische Herstellung war damals nicht möglich. So entstand in Au über die Jahre die größte Bienenzucht Deutschlands. Dr. Forster sah seine Bienen dabei niemals als reine Giftproduzenten, sondern mit wissenschaftlichem und sogar fast väterlichem Interesse. Er wurde zum weltbekannten Bienenforscher und sammelte »nebenbei« eine gewaltige Menge an historischen und künstlerischen Zeugnissen der Bienenzucht und ihrer Geschichte.
  • Man nannte Dr. Forster zwar den »Bienenkönig«, aber ihn auf seine Bienen und das Forapin zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. Genausowenig darf er nur als Unternehmer gesehen werden, denn mit seinen Heilmitteln lag ihm nicht nur das Wohl des Unternehmens und seiner Mitarbeiter am Herzen, sondern vor allem das der Menschen, für die er diese entwickelte. »Es ist die seltene Harmonie von ethischem Grund-Impuls, wissenschaftlichem Engagement und unternehmerischer Begabung, die Karl August Forsters Persönlichkeit prägt.« So schrieb Dipl. Ing. Hermann Forster noch zu Lebzeiten Dr. Forsters über seinen Vater.
  • Geradezu offensichtlich wurde dies nach dem Zweiten Weltkrieg, als in Deutschland das Insulin knapp wurde und Tausende an der Zuckerkrankheit starben. Noch während des Krieges hatte Dr. Forsters Firma die Herstellung von Insulin auf dringende Bitten vieler Ärzte improvisiert. Nach dem Krieg entschloss sich Dr. Forster dann zu einem Versuch, der wirtschaftlich nicht erfolgreich sein konnte, aber ethisch und menschlich eine Großtat war: Er ließ Insulin aus Fischdrüsen statt aus den Bauchspeicheldrüsen von (nicht mehr verfügbaren) Schlachttieren gewinnen. Die wissenschaftlichen Grundlagen dazu waren vorhanden, aber es bedurfte einer organisatorischen Glanzleistung, um den Rohstoff zu bekommen (auf den Fischkuttern mussten Männer mitfahren, um die Fischdrüsen zu präparieren), diesen dann in Bremerhaven zu verarbeiten (dazu wurde ein eigenes Laboratorium eingerichtet) und das Roh-Insulin schließlich nach Illertissen zu transportieren. Besonders für diese Initiative erhielt Dr. Forster das Bundesverdienstkreuz.
  • 1964 wurde Dr. Forster Ehrenbürger von Au.
  • 1969 wurde Dr. Forster anlässlich seines 70. Geburtstags Ehrensenator der Universität Ulm.
  • 1971 schied Dr. Forster aus der Unternehmensleitung aus. Zu diesem Zeitpunkt war die Firma Heinrich Mack Nachfolger ein weltweit agierendes Unternehmen, das fast 1000 Betriebsangehörige hatte, 30 Arzneimittel produzierte und in mehr als 70 Länder exportierte.
  • 1983 wurde in Illertissen das Karl-August-Forster-Bienenmuseum eingerichtet, das auf Dr. Forsters Privatsammlung beruhte und bis 2016 zum Bayerischen Bienenmuseum Illertissen, Sammlung Forster ausgebaut wurde.
  • Karl August Forster starb am 11. September 1984.

Zitate

Dipl.-Ing. Hermann Forster in einem Essay über Dr. Forster:
»Denkt man an die organisatorischen, personalpolitischen, kaufmännischen, betriebswirtschaftlichen und technischen Aufgaben, die Dr. Forster zu betreuen hat, und zwar über Jahrzehnte in alleinverantwortlicher Position, dann könnte man es verständlich finden, wenn dieser Mann einen gehetzten, nervösen Eindruck machte und wenn man ihm ansähe, daß er sich ständig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit bewegte. Das Gegenteil ist der Fall. Karl August Forster strahlt nicht Hast aus, sondern Ruhe und Gelassenheit. Man merkt nichts von einem Terminzwang. Wenn man mit ihm spricht, fühlt man sofort, daß er sich in dieses Gespräch ernsthaft hineinbegibt, ohne unterdrückte Ungeduld und ohne seine Gedanken insgeheim anderswohin zu schicken.«

Ronald Hinzpeter in der Augsburger Allgemeinen vom 21.07.2012 über das Schicksal des jüdischen Arztes Hans Wienskowitz:
»Aufgrund der rassistischen Gesetze des NS-Regimes war es Hans Wienskowitz verboten worden, seinen Arztberuf weiter auszuüben. Doch Senator Forster nahm ihn in seine Firma auf. Wie sich die Tochter erinnert, konnte er dort ohne Judenstern unbehelligt im Kräutergarten arbeiten und stand unter dem Schutz der Familie Forster ... Bei den Behörden war Wienskowitz allerdings durchaus gemeldet, sodass er zweimal die Aufforderung bekam, sich zur Deportation zu melden. Doch wie sich Ellen Schaudig-Forster erinnert, blockierte ihr Vater beide Male den Abtransport, indem er Hans Wienskowitz als angeblich krank in die Illertisser Klinik einwies.«

Josef Weikmann, 1972 Bürgermeister von Au, in seinem Geleitwort zur Schuleinweihung:
»Ein besonderes Dankwort gilt unserem geschätzten Ehrenbürger, Herrn Ehrensenator Dr. Karl August Forster. Sein Schaffen und sein Wirken bestimmte die Entwicklung unseres Dorfes. Seine enge Verbindung zur Gemeinde und zu allen Bürgern des Dorfes sind Ausdruck seiner Persönlichkeit. Großherzig übernahm er die Kosten der künstlerischen Gestaltung dieses Bauwerks. Um seinen Namen in der Dorfgeschichte zu verewigen, entschloß sich der Gemeinderat, der neuen Schule seinen Namen zu geben.«

 

Quellen:

  • Konrad AH (Hrsg.). Au an der Iller. Weißenhorn: Anton H. Konrad Verlag; 1987.
  • Kuhn H. Ortschronik zur Schulhausweihe Au/Iller; 1972.
  • Hinzpeter R. Von Forster beschützt. Augsburger Allgemeine Online vom 21.07.2012.

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